Die Teutonen

Teutonen, lateinisch Teutoni oder Teutones, germanischer Volksstamm, der ursprünglich an der Westküste Jütlands und an der Elbmündung ansässig war. Erwähnt wurden sie erstmals im späten 4. Jahrhundert v. Chr. von Pytheas von Massalia. Um 120 v. Chr. wurden sie durch Sturmfluten aus ihrem Siedlungsgebiet vertrieben, schlossen sich den Kimbern auf deren Wanderung nach Süden an und fielen in Gallien ein. Die römischen Truppen, die ihren weiteren Vorstoß in das römisch besetzte Südgallien abzuwehren versuchten, schlugen sie 105 v. Chr. in der Schlacht bei Aurausio vernichtend. Der sprichwörtliche furor teutonicus (lateinisch:„teutonische Kampfeswut”), der die Römer in Angst und Schrecken versetzte, wurde jedoch erheblich abgeschwächt, als sich kurz darauf die Kimbern von den Teutonen trennten und weiter Richtung Süden zogen. Die Teutonen blieben in Gallien, das sie streckenweise verwüsteten, bis sie 102 v. Chr. von dem römischen Feldherrn Gaius Marius bei Aquae Sextiae (heute Aix-en-Provence) geschlagen wurden. Danach tauchten sie in den Geschichtsquellen nicht mehr auf. Deutschlands Ursprung geht zurück auf die Krönung Karls des Großen zum Heiligen Römischen Kaiser im Jahre 800. Bei seinem Tod wurde das Reich in drei Teile aufgegliedert, aus denen sich allmählich zwei Reiche entwickelten: das Westfrankenreich, aus dem Frankreich entstand und das Ostfrankenreich, aus dem sich Deutschland heranbildete. Der Titel des Heiligen Römischen Kaisers verblieb in der Linie Karls des Großen und existierte bis zum 10. Jahrhundert, als sein Adelsgeschlecht ausstarb. 919 wurde Heinrich, der Herzog von Sachsen, von seinen verbündeten Herzögen zum König erhoben. Sein Sohn Otto wurde 962 zum Kaiser gekrönt. Das Heilige Römische Reich unter Otto I. erstreckte sich von der norddeutschen Tiefebene bis zum Baltikum im Norden, über das heutige Polen im Osten bis in die heutige Schweiz, das heutige Österreich und Norditalien im Süden. Von Beginn an war es für die Kaiser ein großes Problem, zwei ungleiche Gebiete gleichzeitig zu beherrschen, die durch die Alpen getrennt waren: Deutschland und Italien. Das Heilige Römische Reich war deshalb erfolgreich, weil es beiden Gebieten Nutzen brachte: Die deutschen Stämme waren noch recht unzivilisiert und erst ein Jahrhundert zuvor von Karl dem Großen erobert worden. Sie profitierten daher in großem Maße von Kultur, Technologien und Handel in Italien. Die Italiener begrüßten insbesondere den Zustand des relativ sicheren Friedens und der Stabilität, den das Reich gewährleistete. In den vorangegangenen 500 Jahren war Italien immer wieder überfallen worden. Der vom Reich ausgehende Schutz trug auch zur Verteidigung des Papsttums bei und ermöglichte den italienischen Stadtstaaten, mit ihrem Aufstieg zu beginnen. Die Reichsheere bestanden zum einen aus Pächtern von Kirchenland, die dem Kaiser zu Dienst verpflichtet waren, zum anderen aus Ministerialen, einem Korps unfreier Vasallen, die als Ritter die bestmögliche Ausbildung und Ausrüstung erhielten. Diese Heere wurden eingesetzt, um Aufstände und Revolten von Landadeligen und Bauern niederzuschlagen oder um sich gegen die Überfälle der Wikinger aus dem Norden und der Magyaren (Ungarn) aus dem Osten zu wehren. Da Deutschland eine Anhäufung von unabhängigen, miteinander konkurrierenden Fürstentümern blieb, wurden die deutschen Krieger mit der Zeit immer geschickter und erfahrener. Die berühmtesten deutschen Soldaten waren die Deutschritter, ein religiöser Orden, der während der Zeit der Kreuzzüge entstand. Die Deutschritter verbreiteten das Christentum durch Eroberungszüge im Baltikum und wurden schließlich von Alexander Nevsky in der Schlacht auf dem gefrorenen Peipus-See geschlagen. Ein Streit zwischen dem Kaiser und der Kirche über das Recht, Bischöfe einzusetzen, schwächte die Stellung des Kaisers in Deutschland und in Italien. In den Zeiten, in denen der Kaiser vorübergehend exkommuniziert war und gegen Rom ein regelrechter Krieg geführt wurde, schwand die kaiserliche Autorität. Die deutschen Landesfürsten bauten ihren Grundbesitz aus und schlugen die Wikinger zurück, ohne dass sich der Kaiser einmischte oder Unterstützung gewährte. In Italien fanden sich die aufsteigenden Stadtstaaten zum Lombardbund zusammen und weigerten sich, den Kaiser anzuerkennen. Die politische Macht in Deutschland und Italien ging auf die Landesfürsten und die Städten über. Die Ministerialen rebellierten, übernahmen die Herrschaft über die Städte und Burgen, in denen sie einquartiert waren und erklärten sich zu Freien. Während verzweifelt versucht wurde, Italien zurückzugewinnen, wurden den Landesfürsten in Deutschland mehr Zugeständnisse gemacht. In der Mitte des 13. Jahrhunderts existierte das Heilige Römische Reich nur noch dem Namen nach. Der Thron wurde zwanzig Jahre lang nicht bestiegen; die deutschen Fürsten kümmerten sich nur um ihr eigenes Besitztum. Die italienischen Stadtstaaten wollten keinen deutschen Herrscher mehr und waren stark genug, um sich selbst zu verteidigen. Die nachfolgenden Kaiser im Mittelalter wurden zwar von deutschen Fürsten gewählt, besaßen jedoch nur insofern Macht, als sie selbst als Territorialfürsten ihre Hausmacht ausübten. Deutschland stellte für viele Jahrhunderte lang in Europa eine eher unbedeutende Macht dar.

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