Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 n. Chr.

Attilas Feldzüge gegen das Römische Imperium bilden den Anfang eines massiven Einfalls von Barbarenvölkern in den Westen. Zwar hatte es auch schon früher Einfälle dieser Art gegeben; sie waren jedoch sporadisch geblieben. Zuerst kamen die Kimbern und Teutonen, und sie waren 102 v. Chr. gestoppt worden, ein paar Jahrhunderte später, um 400 n. Chr., hatten dann die Westgoten ihren Vorstoß ins Römische Reich gemacht. Aber auch von innen her wurde das bereits dekadente Römische reich immer stärker durchsetzt von Menschen vandalischer Abstammung, die sogar in hohe Stellungen gelangten. Aus einer Vandalenfamilie stammte z.B. bereits Stilicho, der zur Zeit des Westgoteneinfalls den Oberbefehl über das Römische Heer hatte und 402 n. Chr. Alarich bei Pollentia schlug. Aber kehren wir zu Attila und zum Jahr 451 n. Chr. zurück. Nachdem er das ganze östliche Europa in Schrecken versetzt, weite Landstriche verwüstet und vom oströmischen Kaiser Theodosius II. weitgehende Gebietsabtretungen bekommen hatte, stellte er ein Heer von über einer halben Million Mann auf, mit dem er nach Westen marschierte, in die Gebiete am Rhein einfiel und bis nach Metz und später sogar nach Orleans vordrang. In der Absicht, immer noch weiter westlich vorzurücken, erreichte er Novimagnus - das heutige Troyes. Hier jedoch stieß er zum ersten Mal auf einen Gegner, der ihm entschieden Einhalt gebot. Der weströmische Kaiser Valentinian III. hatte den römischen Statthalter Aetius zum Heermeister ernannt, und dieser letzte große römische Feldherr stellte sich mit anderen verbündeten Streitkräften - den Alanen unter Sangibanus, den Franken unter Merovig und den Westgoten unter Theoderich - den Hunnen entgegen. Attila, der ein relativ flaches Gebiet suchte, wo seine Reiterei sich voll entfalten konnte, war bestrebt, die Feldschlacht um ein paar Tage zu verschieben und zog sich in die Gegend der Katalaunischen Felder (heute etwa bei Chalons-sur-Marne) zurück. Aetius setzte ihm jedoch entschieden nach und zwang ihn, zwischen Chalons und Mery-sur-Seine in Gefechtsposition zu gehen. Attila stellte die Hunnen ins Zentrum, links die verbündeten Ostgoten mit den Gepiden, und rechts die Heruler, die Quaden und alle übrigen. Aetius seinerseits ließ die Alanen unter Führung ihres Königs Sangibanus in der Mitte, in Stellung gehen, die Westgoten standen rechts, und er selbst behielt sich den linken Flügel vor. Die Reitertruppen der Hunnen eröffneten den Angriff, sie wurden aber von einem Hagel von Pfeilen empfangen und stürzten zu Boden. Es folgte ein wildes Gemetzel; der greise Theoderich wird tödlich verletzt, und sein Sohn Torrismund übernimmt seinen Platz. Der Kampf dauerte bis zum Einbruch der Nacht. Attila, dem so etwas noch nicht passiert war, gab Befehl, hinter den Wagen in Deckung zu gehen. Aber Aetius ließ nicht nach und setzte auch zum Sturm auf die Wagenburg an. Daraufhin trat Attila mit den Überlebenden ungeordnet den Rückzug an und igelte sich im Lager ein. Als der Morgen dämmerte, sahen die Römer den Hunnenkönig oben auf einem Berg von Pferdesätteln stehen; um ihn herum seine Wächter, jeder mit einer Fackel in der Hand, und sie ließen keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit, diesen Scheiterhaufen aus Pferdesätteln anzuzünden, falls der Feind es wagen sollte das Lager zu betreten. - Niemand rührte sich m römischen Heer, und damit war Attila gerettet. Gerettet war aber auch Frankreich, für das diese Schlacht entscheidende Bedeutung erlangte, und mit ihm Europa. Die Europäer hatten - wie seiner Zeit bei den Schlachten von Marathon und Salamis - ein weiteres Mal bewiesen, dass die zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes und seine Gewalttätigkeit nicht ausrichten konnte gegen den festen Willen, die eigene Freiheit zu verteidigen.

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